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Ortschroniken

Der Begriff „Chronik“ kommt aus dem Griechischen und bezeichnet eine Darstellung geschichtlicher Vorgänge in zeitlicher Reihenfolge, die in Prosaform festgehalten werden. Dies umfasst Schriften, Bilder, Gegenstände und Dokumente. Es werden Daten und Fakten gesammelt. Eine Ortschronik beschäftigt sich mit der Geschichte eines bestimmten Ortes (einer Ortschaft, eines Dorfes oder regionalen Gebietes). Sie ist, neben Ortsfamilienbüchern und anderen, ein Teil der Heimatgeschichte, die sich mit der Vergangenheit eines lokalen Bereiches befasst. Meist werden Ortschroniken nicht durch Wissenschaftler, sondern durch Privatpersonen, die geschichtlich interessieren sind, geführt. Die Ortschronik ist, im Gegensatz zur Stadtgeschichte, keine geschichtswissenschaftliche Teildisziplin. Es existieren keine Vorschriften, die besagen, in welcher Form genau Ortschroniken geführt werden müssen. Die Ortschronik listet jedoch nicht nur Begebenheiten auf, sondern es werden darin auch Zustände, Veränderungen und Ereignisse zusammengefasst. Die Ortschronik sollte Neues, noch nicht Bekanntes beinhalten. Dies macht die Recherche für eine Ortschronik besonders interessant.

Die Gestaltung ist jedem Chronisten selbst überlassen. Trotzdem sollte jede gute Ortschronik ein Inhaltsverzeichnis, Seitenzählung und ein Register enthalten. Eine wichtige Eigenschaft einer Ortschronik ist neben der Übersichtlichkeit die Ergänzbarkeit (sollten neue Informationen gefunden werden, müssen sie leicht in die Chronik eingegliedert werden können). Um eine Ortschronik anlegen zu können, müssen einige Schritte befolgt werden. Zunächst sollte Informationsmaterial gesammelt werden, das relevante Begebenheiten und Fakten der betrachteten Region enthält.

Es gibt dazu verschiedene Anlaufstellen (in erster Linie Archive). Archive dienen der Sammlung und Sortierung von Materialien. Für Ortschroniken bedeutende Archive sind vor Allem die Pfarrarchive der Gemeinden. Wichtige Informationsquellen sind Kirchenbücher, auch Kirchenmatrikel oder Matrikel genannt. Es handelt sich dabei um Bücher, die in der Pfarre verwahrt werden und Taufen, Trauungen, Todesfälle etc. enthalten. Die Eintragungen erfolgen in chronologischer Reihenfolge, wodurch dem Chronisten die Arbeit etwas erleichtert wird. Teilweise enthalten Kirchenchroniken auch persönliche Anmerkungen des Pfarrers, die interessante Fakten für die Chronologie sein können. Kirchenbücher eignen sich sehr gut als Informationsquelle, da sie teilweise sehr alt sind. Im deutschen Sprachraum können sie bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Es stellt sich hierbei nur ein Problem: auch bei der Führung einer Kirchenchronik ist die Form dem Pfarrer überlassen, sodass es zu starken Abweichungen kommen kann.

Neben den Kirchenmatrikeln können Schulchroniken als mögliche Quellen für Informationen dienen. Im 19. Jahrhundert wurde mit der Anfertigung dieser Art von Chronik begonnen. Darin wird die schulische Situation meist jährlich dokumentiert und das gesammelte Wissen über die Schulgeschichte des Ortes niedergeschrieben. Auch Gutsarchive sind eine mögliche Quelle für Informationen.

Manche Familien führen Familienchroniken, die manchmal neben Stammbäumen auch Informationen über Lebensumständen enthalten. Beim Anlegen einer Ortschronik können also alle Bewohner des Ortes mithelfen. Jubiläumsschriften können auch interessante Informationen enthalten: Zur Anfertigung einer solchen Schrift haben sich die Schreiber meist schon mit der Geschichte auseinandergesetzt. Auch ein Besuch in der Landesbibliothek kann hilfreich sein. Neben Informationen kann man hier auch Hilfe durch die Angestellten der Bibliothek erhalten. Zumeist lohnt es sich auch über die Ortsgrenzen hinaus zu recherchieren, da in Archiven von Nachbarorten ebenfalls Informationen enthalten sein können. Es gibt also grundsätzlich keine Grenzen für die Quellen oder Arten von Material, das zum Anlegen von Ortschroniken genutzt werden kann.

Nach der Sammlung von Material muss als nächster Schritt das kritische Auslesen wichtiger Informationen erfolgen: welche Materialien sind wirklich für die Ortschronik von Interesse? Eine Bewertung erfolgt durch den Chronisten selbst. Dies hat zur Folge, dass Ortschroniken stets subjektiv sind (und auch nur subjektiv sein können), da es jedem selbst überlassen ist, welche Materialien in die Chronik aufgenommen werden. Auch hier gibt es keine Vorschriften. Als Nächstes müssen die ausgewählten Informationen gegliedert werden. Nun kann das Material in Form eines Textes zusammengefasst werden. Die Wahl des Mediums der Ortschronik, also in welcher Form die Chronik geführt wird, ist dem Chronisten selbst überlassen. So sind heute viele Ortschroniken digitalisiert und im Internet abrufbar.

Doch das Anlegen einer Ortschronik birgt auch Schwierigkeiten. Neben der Subjektivität von Ortschroniken gibt es weitere Probleme beim Anlegen einer Übersicht über die Lokalgeschichte. Die Sammlung von Material und die Pflege der Chronik ist sehr zeitaufwendig und findet überwiegend auf ehrenamtlicher Basis statt, sodass zumeist nur Rentner sich diesen Arbeitsaufwand leisten können. Um sich die Arbeit etwas zu erleichtern, könnte die Ortschronik als Teamarbeit angefertigt werden. Da die Zeit stetig voranschreitet, muss auch eine Chronik in regelmäßigen Abständen gepflegt werden. Dies umfasst nicht nur eine Aktualisierung der Ortschronik, sondern auch den Ersatz beschädigter Seiten.

Eine Ortschronik leistet neben der Archivierung der Lokalgeschichte auch einen wichtigen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit, da sie allen Interessierten die Möglichkeit bietet sich mit der Geschichte des Ortes auseinander zusetzen. Die Lokalgeschichte ist besonders für Besucher des Ortes und Neubürger interessant.